Interview | Brieffreunde willkommen: Jennifer Bishop vernetzt mit „London Letters“ Schreibfans und Kalligraphie-Freunde

Das Willkommens-Package für Neumitglieder von The London Letters Writing Society. Ein Screenshot.
Credit: Judith Schallenberg

Briefeschreiben war eine meiner Freuden als Kind. Ich hatte einige Brieffreundinnen (Tania, love forever!). 2020 begegnete mir Jennifer Bishops Shop London Letters. Die Londonerin gründete dazu The London Letters Writing Society: Sie vermittelt Brieffreundschaften in Großbritannien und international. Außerdem verkauft sie personalisiertes Briefpapier und Kalligraphie-Sets. Ihre Fangemeinde wächst.

Ein Interview.

Jennifer, was bedeutet dir das Schreiben?

Ich bin mit der Gewissheit aufgewachsen, dass es etwas Bedeutsames und Wichtiges ist. In der Schule lernten wir Schreibschrift – ich nahm als Kind sogar mal an einem Handschrift-Wettbewerb teil und machte den ersten Platz. Für den gab es ein Kalligraphie-Set. Meine Eltern brachten mir schon in früher Kindheit bei, wie wichtig es ist, Dankeskarten zu schreiben. Daraus wurde ein Hobby und später dann mein Business. Das Schreiben von Hand hat mich immer schon fasziniert. Es ist so einzigartig bei jedem Menschen. Ich liebe es, herauszufinden, welche Füller und Papiere Menschen für ihr Schreiben auswählen. Ich werde da niemals müde.

Wie kam es zu London Letters?

Der Letters Club entstand aus der Sorge heraus, dass wir den Kontakt zum geschriebenen Wort verlieren, dass wir alles digitalisieren und alle sich nur noch Kurznachrichten via Smartphone schreiben. Brieffreundschaften – das war etwas, das ich aus der Schule kannte, von dem ich aber nicht glaubte, dass es das noch gibt. Doch die Idee war so unwiderstehlich, dass wir den Funken wieder entzünden wollten. Wir wollten die Kunst der Korrespondenz wiederbeleben und die Leute ermutigen, wieder die Füllerfeder aufs Papier zu setzen.

Jennifer Bishop. Credit: privat

Bei London Letters bietest personalisiertes Briefpapier, Kalligraphie-Sets und Briefpapier für allerlei Festlichkeiten an. Wie groß ist der Kreis deiner Kundschaft beim London Letters Club? Wie alt sind sie, und woher kommen sie?

Wir haben aktuell 400 Mitglieder, und es werden jeden Tag mehr. Sie sind in ganz unterschiedlichem Alter und mehrheitlich Britinnen und Briten – allerdings kommen immer mehr Menschen aus dem Ausland dazu, was wundervoll ist. Viele unserer Mitglieder wünschen sich internationale Kontakte, das bringt ganz neue Möglichkeiten der Konversation.

Gab es schon nette Erlebnisse mit den Mitgliedern, von denen du erzählen kannst?

Der Letters Club existiert mittlerweile vier Jahre und hat so viele wunderbare Freundschaften hervorgebracht. Es sind Leute darunter, die seit Tag 1 dabei sind und sich immer noch schreiben, und Leute, die tausende Flugmeilen zurückgelegt haben, um ihre neuen Freundin oder den neuen Freund persönlich kennenzulernen. Es sind definitiv jede Menge spannende Charaktere dabei!

Gibt es eine Art von Schreibroutine, die du mit uns teilen magst?

Versucht auf jeden Fall, einen Brief genau auf die Person zuzuschneiden, an den er gehen soll. Fragt euch: Was sind ihre Wünsche, ihre Interessen, welche Art von Humor hat sie? Gibt es Style-Vorlieben? Ihr zeigt damit, dass ihr euch wirklich Gedanken gemacht habt über eure Zeilen an sie oder ihn – und bedeutet in der Regel, dass eine ebenso sorgsam geschriebene Antwort an euch folgen wird. Oh, und Washi Tape – das benutze ich am liebsten für Umschläge. Es ist weniger formell als ein Siegel mit Siegelwachs, fügt eurer Post aber eine persönliche Note hinzu (und ihr spart euch das Siegelwachs).

Hast du heute noch Brieffreundinnen und Brieffreunde? Was brauchst du, um einen Brief zu schreiben?

Oh ja, ich hab mehrere!

Leider ist der Kontakt zu einem meiner Brieffreunde aus der Schulzeit abgebrochen (Dimitri aus Frankreich, ich vermisse dich! Sehr! Frankreich, du fehlst mir!). Ich schreibe mehrmals pro Woche an Freunde, Familie oder an Leute, die ich getroffen habe und von denen ich denke, dass sie sich über eine geschriebene Nachricht freuen werden.

Jennifer Bishop

Meine Basics zum Briefeschreiben: schönes schweres Schreibpapier mit Monogramm, ein Rollerball-Stift und Washi Tape. Wenn ich meinen Neffen schreibe, die alle noch sehr jung sind, nehme ich schon mal Sticker oder Glitzer, etwa Pailetten, hinzu – sie mögen visuelle Effekte.

Wie kommst du für The London Letters Club an neue potenzielle Brieffreundinnen und Brieffreunde? Wie tretet ihr zueinander in Kontakt?

Sie melden sich über die sozialen Medien bei uns (@thelondonletters). Manche auch über unsere Website oder indem sie unser Willkommens-Set mit Schreibmaterialien bestellen. Von da ab liegt es dann in unserer Hand, die richtige Person für jemanden zu finden. Sie können ein paar Wünsche dazu angeben. Oft schreiben Leute an mehr als eine Person. Wir freuen uns, wenn wir sowas möglich machen können. Je vernetzter wir untereinander sind, desto besser.

Danke dir, liebe Jennifer!

Diese Post hat mich berührt: der erste Brief einer neuen Person in meinem Leben, die mir über The London Letters Writing Society zugeteilt wurde. Credit: privat
So kann verspieltes Briefpapier aussehen: kleine japanische Marken und Sticker für Blanko-Briefpapier, gekauft bei Luiban, Berlin.
Credit: privat.

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